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Call for Papers für die interdisziplinäre Tagung "Digitalität und Privatheit" des DFG-Graduiertenkollegs 1681/2 (Passau)

30.04.2017

Für die interdisziplinäre Tagung "Digitalität und Privatheit" des DFG-Graduiertenkolleg 1681/2 „Privatheit und Digitalisierung“ können Beiträge im Rahmen des Call for Papers eingereicht werden. Bei thematischer und fachlicher Eignung besteht die Möglichkeit, in das Promotionsprogramm des Graduiertenkollegs (TVL 13, 75%, ab April 2018) aufgenommen zu werden.

26.-28. Oktober 2017
Universität Passau
D-94032 Passau

Digitalität und Privatheit

Das DFG-Graduiertenkolleg 1681/2 „Privatheit und Digitalisierung“ geht den Fragen nach, welche Formen Privatheit in einer digitalen Gesellschaft annehmen kann und welche Chancen und Risiken dabei zu vergegenwärtigen sind. Die Konsequenzen für Bürgerinnen und Bürger, Politik und Wirtschaft werden im Kontext kultureller und rechtlicher Rahmungen erforscht.

An digitale Medienangebote schließen zum Teil beispiellose oder veränderte kulturelle Mediennutzungspraxen an, die als Grenzüberschreitungen in Bezug auf konventionelle Privatheitsnormen anzusehen sind. In der gesteigerten Durchdringung analoger und digitaler Realitäten zeigt sich dabei häufig auch eine zunehmende Verschmelzung von Privatheit und Öffentlichkeit. Damit ergeben sich medienkulturelle und ethische Fragestellungen nach den
hinter den verschiedenen Anwendungen stehenden Handlungsmaximen und
Normierungsmustern sowie die Notwendigkeit zur Analyse, Einordnung und Bewertung der hiermit ermöglichten Nutzungsszenarien.

In der Rechtswissenschaft bildet die Bewertung von datenbasierten Geschäftsmodellen und technischen Innovationen, die häufig ebenfalls mit einem erweiterten Zugriff auf Daten einhergehen, eine zentrale Herausforderung. Eine international geführte Diskussion beschäftigt sich mit der Frage, ob es zivilrechtliches Eigentum an Daten geben kann. Generell gilt es in Bezug auf die großen, weltumspannenden Internetdienste von Google, Facebook und Co. sowohl Anforderungen des öffentlich-rechtlichen Datenschutzrechts als auch die Bindung an privatrechtliche Verträge zu berücksichtigen. Die Intransparenz und Komplexität der zugrunde liegenden technischen Zusammenhänge erschweren dabei nicht nur die rechtliche Handhabe, sondern werfen mit Blick auf die Nutzer auch Fragen der Einwilligungsfähigkeit im Sinne des Datenschutzrechts auf.

Die ‚traditionellen‘ Medien Kunst, Literatur, Film usw. bilden Reflexionsinstanzen dieser gesamtgesellschaftlichen wie individuellen Herausforderungen. In ihnen erfolgt eine kulturelle Selbstverständigung über das in einer Gesellschaft zu einem bestimmten historischen Zeitpunkt als angemessen Geltende, zum Beispiel zu der Frage, was und was nicht unter welchen Umständen als Verletzung von Privatheit gelten kann und entsprechend sanktioniert wird. Gesellschaftliche wie individuelle Anwendungspraxen digitaler Medien wie auch die Reflexion dieser Prozesse basieren damit auf zeichenbasierter, medialer Kommunikation. Aus dieser Perspektive bieten sich im Rahmen der technologischen Entwicklung auch neue Möglichkeiten, um Medienkompetenz herzustellen und abstrakte Sinnzusammenhänge begreifbar zu machen.

Die Tagung möchte sich den hier aufgerufenen Problemstellungen aus einer interdisziplinären Perspektive nähern, wobei einerseits geistes-, kultur-, sozial- und medienwissenschaftliche Betrachtungsweisen und andererseits rechtswissenschaftliche Perspektiven im Fokus stehen. Informationstechnische Ansätze mit kulturwissenschaftlicher/juristischer Fragestellung sind ebenfalls willkommen.


Mögliche Perspektiven können darstellen (sind aber nicht begrenzt auf):

  • Erfassung gemeinsamer Wesenszüge konkreter Formen der Digitalisierung
  • Wandel der Gesellschaft im Rahmen der Digitalisierung / Durchdringung von Öffentlichkeit und Privatheit durch Digitalität
  • Daten als Wirtschaftsgut / Kommerzialisierung privater Daten/ Chancen und Risiken von Big Data
  • Modellierungen digital umgesetzter neuer Privatheitsformen
  • Theoretische/empirische Beiträge zur sozialen Konstruktion von Privatheit im digitalisierten Kommunikationsumfeld
  • Darstellungen und Verhandlungen von Digitalität und Privatheit in den konventionellen Medien
  • Konturierung der Beschreibungskategorien für Transgressionsprozesse vom Analogen zum Digitalen und ihre Nutzbarmachung für die Vermeidung und Lösung rechtlicher Konflikte
  • Entwicklung rechtlicher Maßstäbe für die Transformation überkommener Regulierungskonzepte im Kontext des digitalen Wandels
  • Welche Impulse kann die Privatheitsdebatte für Fragen der Reglementierung z.B. im Datenschutz- oder Medienrecht liefern?
  • Vollstreckungsdefizite der Grundrechte in digitalen Räumen
  • Digitalität in der EU-Datenschutz-Grundverordnung
  • Wird durch die Herausforderungen der digitalen Gesellschaft die Konzeption eines neuen Grundrechts (e-privacy) notwendig?
  • Welches Autonomieverständnis liegt der (freiwilligen) Einwilligung im (deutschen/europäischen/US-amerikanischen/internationalen) Datenschutzrecht zu Grunde?
  • Beherrschbarkeit neuer Technologien / private data literacy
  • Schutz des Verbrauchers vor sich selbst?
  • Vorbeugender Rechtsschutz durch adäquate Technikgestaltung (privacy by design)
  • Medienethische/medienpädagogische Beiträge zur Entwicklung von Privatheitskompetenz im Umfeld von Digitalität


Wichtige Termine:

  • Ihr Abstract (inkl. Vortragstitel) mit einem Umfang von max. 300 Wörtern und einen Kurzlebenslauf (wissenschaftlicher Werdegang, Publikationen) senden Sie bitte als PDF bis zum 30.04.2017 per E-Mail (Betreff: Digitalität und Privatheit) an: Martin.Hennig@uni-passau.de sowie Hans.Krah@uni-passau.de
  • Die Benachrichtigung über die Annahme der Beiträge erfolgt Ende Mai.
    Die Vorträge haben eine Länge von 30 Minuten. Eine Veröffentlichung der Beiträge ist geplant.
  • Die vom DFG-Graduiertenkolleg 1681/2 „Privatheit und Digitalisierung“ organisierte Tagung wird vom 26.-28. Oktober 2017 an der Universität Passau stattfinden.


Zum Tagesprogramm:

Im Rahmen des Tagungsprogramms wird es ebenfalls ein Panel mit Kurzvorträgen geben, das sich insbesondere an Nachwuchswissenschaftler/ -innen in einer frühen Forschungsphase richtet und diesen die Gelegenheit geben soll, geplante Promotionsprojekte vorzustellen. Bei thematischer und fachlicher Eignung besteht die Möglichkeit, in das Promotionsprogramm des Graduiertenkollegs (TVL 13, 75%, ab April 2018) aufgenommen zu werden. Bewerbungen für eine 10-minütige Präsentation auf dem Nachwuchspanel bitten wir entsprechend zu kennzeichnen.


Für Fragen steht Ihnen Dr. Martin Hennig (Martin.Hennig@uni-passau.de) gerne zur Verfügung.

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